Das würde wohl den meisten nicht passieren. Aber jetzt von vorne.
Das Damen 2, gut bestückt wie eh und je, hatte bereits eine gute Saison hinter sich. Man wollte vorne mitspielen, aber der Fokus lag mehr auf den einzelnen Stärken und wurde von Spiel zu Spiel und weniger auf der Tabelle gesetzt. Und plötzlich hatten wir noch 3 Spiele und haben realisiert, dass ein Aufstieg durchaus in greifbare Nähe gerückt war. Die Gegner – Volero, ungeschlagener 1. Platzierter, Überraschungsabstiegsgefährdeter Tornado und Embrach – direkter Gegner um den Aufstieg. Mit 3 Punkten Vorsprung. Und das ganze innerhalb von einer Woche.
Wir legten los mit unserem Endspurt in Oerlikon. Und wie wir loslegten. Wie ein japanischer Hochleistungsschnellzug. Volero war regelrecht überrollt, wusste nicht wo vorne und hinten ist. Und wir? Ehrlich gesagt auch überrascht ab dem urplötzlichen Selbstbewusstsein! Nicht-so-Service-Genie Naomi mit schon-ziemlich-krassen-Serviceserien. Nicht-so-Defense-Crack Tascha mit schon-ziemlich-brutaler Defense gegen eine der Riesinnen. Angriffe, bei der sich alle fragten «Sit wenn het die so viel Mukis!?». Und, weil’s so schön war, mussten sich unsere Passeusen dank Traumannahmen auch kaum bewegen. Sensationell mit 25:15 holten wir den ersten Satz nach Hause. Dann realisierten wir, dass wir die Latte gerade ziemlich hoch gesetzt haben. Und wurden nervös… Zweiter Satz also an Volero. 1 zu 1 in Sätzen. Wir hatten also nichts mehr zu verlieren. Und verloren deshalb auch nicht. Eine kurze Nervositätsphase wurde durch einen cleveren Wechsel beendet. Die neu eingewechselte Nina hatte offensichtlich kein Bock, diesen Punkt herzugeben. Und kratzte mal kurz ALLES. Apropos ALLES. Das war auch Caro’s Motto: Finte, Bölzer, smarter Pass – ALLE Aktionen von Caro waren Punkte. Ein klares 25:18. Der vierte Satz war ein Schlagabtausch. Gegen Ende Satz schmolz unser Vorsprung immer mehr. Zu nah schienen die 3 Punkte und die Sensation – zu viel für unsere mittlerweile auch nicht mehr ganz so jungen Herzchen. 24:26 für Volero. Und um den Spannungsbogen noch einmal richtig hochzuhalten für das Endspiel am nächsten Samstag, verloren wir dann auch noch den letzten Satz. Ein sensationeller, unglaublich wichtiger Punkt in einem endgeilen Spiel. Aber irgendwie trotzdem etwas Enttäuschung, weil die 3 Punkte zum Greifen nah waren.
Weiter zu Tornado. Es mussten 3 Punkte her! Coach Hoppe erlaubte uns einen Satz abzugeben, um uns den Druck etwas zu nehmen. Wir lösten diesen Satz gleich als erstes ein. Aber der zweite Satz gehörte dann klar uns. Weil ein klarer, lockerer Sieg ja langweilig wäre, wurden es noch einmal zwei extrem knappe Sätze! Aber eigentlich nur, damit wir noch etwas üben können: Nach 6 Wechseln, 2 Timeouts und Rückstand kehrten wir das Blatt wieder. Neu-Libera Yanitsa gab ihr sensationelles Debut. Annina und Naomi hatten die Ehre, um enge Satz- und Matchbälle zu servieren. Selbstverständlich wollten wir den Überraschungsgast Tschuck aber nicht enttäuschen.
Samstag. Aufstiegsspiel. N 47°21.091′ E 8°42.492′. Heimspiel. Im Training am Vorabend wurde jede Eventualität durchgerechnet. 3 Punkte mussten es für den Aufstieg sein! Ansonsten müssten wir auf das Spiel Tornado gegen Embrach noch bangen. Bereits um 7 Uhr ging die Vorbereitung im Gruppenchat mit Katzenmemes los. Wir wussten alle, dass wir spielerisch gewinnen können. Die Frage war – machen unsere auch Nerven mit? Kurz vor dem Match wurden noch einige Regeln durchgegeben: «Ich bruch en Joint!» «Ich het sust CBD». «Nei, Fraue, sicher kein Joint!! Es Glas Rotwii chönder nä, aber en Joint macht eu lahm!»
Vor einer richtig coolen Fankulisse, bei welcher wir uns ganz herzlich bedanken (ihr seid grossartig!!!), legten wir los. Immer wieder zogen wir davon und setzten ungeahnte Kräfte frei. Riesin Lisa überwand mal kurz physikalische Gesetze und warf sich sekundenschnell für einen Rettungsball zu Boden. Michelle legte einen Sprint hin, «den man angeblich im Kunstturnen lernt» (Zitat Alina). Und auch Naomi blockte eine gefühlt 40cm grössere Spielerin. Aber immer wieder wurden wir nervös, liessen uns wieder etwas einholen. Es blieb spannend bis fast zum Ende… Im fünften Satz rasten wir wieder davon und gewannen unser letztes Spiel 3:2.
Irgendwie superhappy, weil wir eine grandiose Saison hingelegt haben und unser Saisonziel, «vorderes Mittelfeld», klar übertroffen hatten. Irgendwie verwirrt, weil niemand wusste wie reagieren. Wir waren ja noch nicht nicht aufgestiegen. Aber eben auch nicht aufgestiegen.
Unsere Spannung löste sich in Disco unter der Dusche und verwandelte sich in Prosecco-Hooliganverhalten während den nachfolgenden Spielen am Spielsamstag, offensives Pizza & Popcorn Fressgelage und ganz, ganz viel Gekuschel. Wir beendeten diesen emotionalen Tag mit ganz viel positiven Gefühlen, unvergleichlichem Teamgeist & als eine D2 Familie <3
Danach folgte der Sonntag. Nachdem der Adrenalinspiegel nun ein tieferes Level erreicht hat, fiel es einer besonders gmerkigen Spielerin auf, dass wir falsch gerechnet hatten und definitiv aus eigener Kraft in die 3. Liga aufgestiegen waren! Das war eine epochale Saison und wir können es kaum erwarten, wieder in der 3. Liga zu spielen!
Anmerkung der Autorin: Selbstverständlich war weder ein Joint, noch ein Glas Rotwein im Spiel oder ernsthaft angedacht ?