Grundsätzlich waren die Kräfteverhältnisse vor dem Spiel ganz klar verteilt: Die Gäste aus Uster in der krassen Favoritenrolle gegen die Underdogs aus Embrach. Und doch gelang es dem Heimteam, sich hier einen Punkt zu ergattern. Man könnte nun über die Ursachen für diesen, aus sich der Gäste verlorenen Punkt, diskutieren: Man wäre versucht die lächerliche Infrastruktur, welche in Embrach als Halle bezeichnet wird, und aufzeigt, dass die öffentlichen Schulen in der Zürcher Peripherie enorm unterfinanziert sind, zu nennen. Oder man könnte versuchen einem gelangweilten und unaufmerksamen Schiedsrichter, der einmal sogar einen Satz zu früh beenden wollte, die Schuld zuzuweisen. Das wären allerdings nur faule Ausreden, denn diesen Punktverlust müssen die Ustermer voll und ganz auf die eigene Kappe nehmen, da sie sich in den heiklen Phasen selbst im Weg standen.
Der erste Satz verlief allerdings noch erwartungsgemäss und Uster konnte dank mehr oder weniger konstantem Auftreten diesen Locker mit 25 zu 20 Punkten für sich entscheiden. Es half sicher auch, dass sich das Heimteams zu vielen Servicefehlern hinreissen liess.
Im zweiten Satz war die Sache sogar noch eindeutiger. Mit starken Serviceserien und wenigen Eigenfehlern dominierten die Ustermer das Spiel und gewannen somit auch den zweiten Durchgang und zwar mit 25:15.
Für den nächsten Satz gab es einige Umstellungen. Was zur Folge hatte, dass nicht alles rund lief. Mit dem war allerdings zu rechnen und nach der Hälfte des Satzes war der Punktestand wieder ausgeglichen. Bis zu diesem Zeitpunkt, Spielstand 19:19, verlief alles nach dem Ustermer Drehbuch und man durfte damit rechnen, dass die Gäste zu ihrem gewohnten Schlussspurt ansetzen würden. Leider verbreitete sich da die Idee in vereinzelten Ustermer Köpfen, dass es schade wäre, für solch kurze Zeit in das entfernte Embrach gereist zu sein und ein zusätzlicher Satz doch auch zur weiteren sportlichen Ertüchtigung beitragen würde. Damit war der dritte Satz entschieden, obwohl sich Uster doch noch drei Matchbälle erspielte, diese dann aber zum Teil auf sträfliche Art und Weise nicht verwertete. So gaben die Gäste ihren ersten Satz im neuen Jahr ab mit 28:30.
Im vierten Satz wollte bei Uster gar nichts mehr gelingen und es folgte Fehler um Fehler der Gäste. Dazu kam, dass Embrach nun seine Chance roch und zwischenzeitlich mit einigermassen starken Service und sicheren Annahmen punkten konnte. Die Ustermer waren zu verbissen und der ansonsten starke Teamzusammenhalt bröckelte. Es zeigte sich, dass auch gegen einen vermeintlich schwächeren Gegner das ganze Team am selben Strang ziehen muss, damit das Resultat stimmt. Gegen Ende des Satzes bäumten sich die Gäste zwar nochmals auf, kamen aber am Ende nur auf 23:25 heran.
Somit war der Punktverlust Tatsache und es ging noch um die Ehrrettung. Der Beginn war ausgeglichen und das Heimteam wehrte sich mich Kräften, da nun ein Sieg gegen den Tabellenzweiten zum Greifen nahe schien. Beim Stand von neun zu acht für die Gäste erinnerten sich diese, dass die Schlussphase eines Satzes ihre Stärke ist und beendeten das Spiel mit 15:11 Punkten.
Es wäre für Uster nicht nötig gewesen diesen Punkt liegen zu lassen. Es hat sich einerseits gezeigt, dass ein gesundes Selbstvertrauen im Volleyball schon von Vorteil ist, man es aber auch übertreiben kann. Und andererseits sollte man Meinungsverschiedenheiten erst nach dem Spiel in der Kabine klären und vorher einfach zu Ende spielen. Bereits am kommenden Freitag bekommt das Team um Captain Remo Niklaus die Chance, das Gelernte in die Tat umzusetzen. Eine gewohnt attraktive Heimkulisse würde Usters Drittligisten bestimmt helfen, gegen FGZ drei wichtige Punkte einzufahren.
Päd Neff